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Allgemeine wirtschaftliche Entwicklung:
Die wirtschaftliche Lage Mexikos hat sich im Laufe der
letzten 80 Jahre drastisch verändert. Zu Beginn des
Jahrhunderts war Mexiko beinahe ausschliesslich ein Agrarland,
weit über 70% der Bevölkerung lebten von der Landwirtschaft.
Im Jahr 1980 waren es nur noch etwa 30%, wobei ein Drittel
der Menschen in neuen Industriebetrieben einen Arbeitsplatz
fanden. Heute zählt Mexiko zu den bedeutendsten Industrienationen
Lateinamerikas.
Diese positiv klingenden Zahlen verschleiern leicht die
Tatsache, dass das Land noch heute massiv unter den Folgen
der Wirtschaftkrise von 1982 leidet. Durch den Preisverfall
des Rohöls entstand ein hoher Schuldenberg, der bis
heute den Staatshaushalt belastet. Tatsächlich besitzt
Mexiko nach Brasilien die zweithöchsten Auslandsschulden
und über die Hälfte des Haushalts müssen
jährlich für Zins- und Tilgungszahlungen aufgebracht
werden.
Bodenschätze & Produkte:
Der größte Teil der industriellen Produktion
findet sich heute im Umland von Mexiko City. Etwa 18% der
arbeitsfähigen Bevölkerung sind in den Bereichen
Automobilbau, Stahl, Chemie, Lebensmittel, Papier, Glas
und Textilien beschäftigt und erwirtschaften 23% des
Bruttosozialprodukts. Der Erdölexport hält heute
einen Anteil von 28% aller Exportgüter, die Produktionsstätten
liegen hauptsächlich entlang der Golfküste. 30%
der mexikanischen Bevölkerung haben einen Arbeitsplatz
im Dienstleistungssektor, dessen Bedeutung durch den Ausbau
der Tourismussparte weiter steigen wird.
Im Norden des Landes hat auch der bergbau noch Bedeutung,
wenn auch nur eine geringe. Die Förderung von Kupfer,
Silber, Blei und Zink macht nur 3% des BSP aus, obwohl Mexiko
bis heute größter Silberproduzent der Welt ist.
Weitere 25% der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft
(8% des BSP). Die Hauptanbauprodukte sind Zuckerrohr, Kaffee,
Kakao, Bananen, Resi, Mais, Weizen, Bohnen, Baumwolle und
Rinder. Der Verfall des Kaffee- und Baumwollpreis auf dem
Weltmarkt hat der Wirtschaft Mexikos schwer geschadet und
das Aussenhandelsdefizit weiter erhöht. Obwohl 12%
der Ackerflächen mit Mais und Weizen bestellt werden
müssen große Mengen an Getreide importiert werden,
da selbst bei Genossenschaften meist die nötige moderne
Technik fehlt.
Eine Besonderheit in der Landwirtschaft ist das Ejido-System:
Staatlicher Landbesitz wird Gemeinden (ejido collectivo)
oder Bauern (ejido individual) zur Nutzung überlassen,
wobei diese jeweils selbst für die gesamte Bewirtschaftung
verantwortlich sind. Trotz Agrarreform besizen allerdings
auch heute 90% der Agrarbetriebe weniger als 10ha Land.
Staatlich gefördert wurde die Bewässerungswirtschaft,
die Getreide für den Export liefern sollte. Allerdings
fehlt es den meisten Betrieben am nötigen Geld, der
Technik und dem Know-How.
Tourismus:
Neben dem Erdöl ist der Tourismus heute die zweitwichtigste
Devisenquelle des Landes. 9 Millionen Gäste besuchten
Mexiko im Jahr 1996 und brachten damit über 4,6 Millarden
US$ ins Land. Der jährliche Zuwachs des Tourismus beträgt
33%. Die meisten ausländischen Besucher kommen aus
den USA und Kanada: Die Flugzeiten sind relativ kurz und
Mexiko besitzt über 10 000 km Küste und sehr viel
gutes Wetter. Aber auch die Europäer finden immer mehr
Gefallen an diesem Land und sind schon heute auf Platz 3
der Besucher, wobei alleine 27% aus dem deutschsprachigen
Raum kommen. Die wichtigsten touristischen Ziele sind Cancun
mit Umgebung, Mexico City, Acapulco, Merida, Guadalajara,
Puerto Vallarta, Manzanillo, Mazatlán und Baja California.
Neben den wichtigen Devisen bringt der Tourismus für
Mexiko auch viele Arbeitsplätze und eine Verbesserung
der Infrastruktur durch den Ausbau von Strassen und Flughäfen.
In einigen Gegenden wie Acapulco geht die Kluft zwischen
arm und reich allerdings schon sehr weit auseinander: Während
für die vor allem US-amerikanischen Gäste fast
alles getan wird hausiert einige Strassenblöcke weiter
die einheimische Bevölkerung in Blechhütten und
fühlt sich zu Recht oft als Menschen dritter Klasse.
Die Wirtschaftskrise:
Seit 1940 verfolgte man in Mexiko das Konzept, eine Wirtschaft
aufzubauen, die den erhofften Aufschwung durch Import von
Produktionsgütern wie Maschinen und Produktionsanlagen
bringen sollte. Diese unter den Präsidenten Cárdenas
und Camacho gestartete Initiative unterstützte die
von privaten Investoren betriebenen Firmen dadurch, dass
staatliche Zulieferer extrem subventionierte Vorprodukte
an die Privatwirtschaft verkauften, die darüber hinaus
noch Energie zu günstigen Konditionen bekam. Der Staat
kümmerte sich auf diese Weise um die Infrastruktur
für die privaten Betriebe und baute langsam einen immer
höheren Schuldenberg auf. Da selbst 20 Jahre später
die Industrie immer noch sämtliche Maschinen aus dem
Ausland importieren musste und das Haushaltsdefizit einfach
durch neue Geldscheine ausgeglichen wurde, stieg neben der
Inflation auch die Auslandsverschuldung immer weiter an,
von 650 Mio. US$ im Jahr 1959 auf über 20 Millarden
US$ 1975. Heute sind es etwa 162 Millarden UD$.
In den 70er Jahren gab der einsetzende Ölboom der Wirtschaft
einen neuen Impuls. Die im Golf von Mexiko entdeckten Vorkommen
sind die fünftgrössten der Welt und liegen in
geringen Meerestiefen, was die Förderung erleichtert.
Eine neue Wachstumsprognose orientierte sich am aktuellen
Ölpreis, der bei etwa 30UD$/Barrel lag. Bis Anfang
der 80er Jahre stieg der Anteil des Öls an den Exporterlösen
auf 70% an (5% 1976). Mexiko war plötzlich das Wunderland
Lateinamerikas. Der Staat engagierte sich grosszügig
in Sozialprojekte, für die neue Kredite aufgenommen
werden mußten, die von den ausländischen Investoren
aber ohne Bedenken vergeben wurden. Die unrentablen Staatsbetriebe
konzentrierten sich auf die Produktion von Export- und Konsumgütern.
Heimische Versorgungsengpässe wurden durch Importe
gedeckt.
Der wirtschaftliche Zusammenbruch begann mit dem Verfall
des Rohölpreis, der Mitte der 80er unter 10US$/Barrel
lag. Es entstanden riesige Devisenausfälle, da das
Öl zum größten Exportgut geworden war. Weiterhin
hatte die Inflationsrate fast 100% erreicht. Mexiko konnte
die Zinsen der Kredite nicht mehr zurückzahlen. Durch
die abflachende Konjunktur und die Hochzinspolitik in den
USA wurde dieses Problem noch verschärft. Es begann
die große Flucht in den harten US-Dollar. In kurzer
Zeit sollen über 22 Milliarden US$ das Land verlassen
haben. 1982 wurde der Peso zum ersten Mal offiziell abgewertet.
Die Misere ging aber weiter durch den Preisverfall des Rohöl
und die starke Abhängigkeit der mexikanischen Wirtschaft
von dieser Devisenquelle. 1994 wurde der Peso erneut um
15% abgewertet und sein Kurs 2 Tage später schließlich
ganz freigegeben, was zu einem Einbruch von über 40%
führte. 1995 wurde ein internationales Hilfspaket über
48 Milliarden US$ zusammengestellt. Trotzgesunkener Inflationsrate
(2,5%) verteuerten sich Gas und Strom um etwa 30% und die
Zahl der Arbeitslosen stieg um 250 000.
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