Der Internet-Reiseführer "Mexico erleben". Herausgeber: Web Travel Guide
5.September 2010  





Wirtschaft


Allgemeine wirtschaftliche Entwicklung:

Die wirtschaftliche Lage Mexikos hat sich im Laufe der letzten 80 Jahre drastisch verändert. Zu Beginn des Jahrhunderts war Mexiko beinahe ausschliesslich ein Agrarland, weit über 70% der Bevölkerung lebten von der Landwirtschaft. Im Jahr 1980 waren es nur noch etwa 30%, wobei ein Drittel der Menschen in neuen Industriebetrieben einen Arbeitsplatz fanden. Heute zählt Mexiko zu den bedeutendsten Industrienationen Lateinamerikas.
Diese positiv klingenden Zahlen verschleiern leicht die Tatsache, dass das Land noch heute massiv unter den Folgen der Wirtschaftkrise von 1982 leidet. Durch den Preisverfall des Rohöls entstand ein hoher Schuldenberg, der bis heute den Staatshaushalt belastet. Tatsächlich besitzt Mexiko nach Brasilien die zweithöchsten Auslandsschulden und über die Hälfte des Haushalts müssen jährlich für Zins- und Tilgungszahlungen aufgebracht werden.

Bodenschätze & Produkte:

Der größte Teil der industriellen Produktion findet sich heute im Umland von Mexiko City. Etwa 18% der arbeitsfähigen Bevölkerung sind in den Bereichen Automobilbau, Stahl, Chemie, Lebensmittel, Papier, Glas und Textilien beschäftigt und erwirtschaften 23% des Bruttosozialprodukts. Der Erdölexport hält heute einen Anteil von 28% aller Exportgüter, die Produktionsstätten liegen hauptsächlich entlang der Golfküste. 30% der mexikanischen Bevölkerung haben einen Arbeitsplatz im Dienstleistungssektor, dessen Bedeutung durch den Ausbau der Tourismussparte weiter steigen wird.
Im Norden des Landes hat auch der bergbau noch Bedeutung, wenn auch nur eine geringe. Die Förderung von Kupfer, Silber, Blei und Zink macht nur 3% des BSP aus, obwohl Mexiko bis heute größter Silberproduzent der Welt ist.
Weitere 25% der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft (8% des BSP). Die Hauptanbauprodukte sind Zuckerrohr, Kaffee, Kakao, Bananen, Resi, Mais, Weizen, Bohnen, Baumwolle und Rinder. Der Verfall des Kaffee- und Baumwollpreis auf dem Weltmarkt hat der Wirtschaft Mexikos schwer geschadet und das Aussenhandelsdefizit weiter erhöht. Obwohl 12% der Ackerflächen mit Mais und Weizen bestellt werden müssen große Mengen an Getreide importiert werden, da selbst bei Genossenschaften meist die nötige moderne Technik fehlt.
Eine Besonderheit in der Landwirtschaft ist das Ejido-System: Staatlicher Landbesitz wird Gemeinden (ejido collectivo) oder Bauern (ejido individual) zur Nutzung überlassen, wobei diese jeweils selbst für die gesamte Bewirtschaftung verantwortlich sind. Trotz Agrarreform besizen allerdings auch heute 90% der Agrarbetriebe weniger als 10ha Land. Staatlich gefördert wurde die Bewässerungswirtschaft, die Getreide für den Export liefern sollte. Allerdings fehlt es den meisten Betrieben am nötigen Geld, der Technik und dem Know-How.



Tourismus:

Neben dem Erdöl ist der Tourismus heute die zweitwichtigste Devisenquelle des Landes. 9 Millionen Gäste besuchten Mexiko im Jahr 1996 und brachten damit über 4,6 Millarden US$ ins Land. Der jährliche Zuwachs des Tourismus beträgt 33%. Die meisten ausländischen Besucher kommen aus den USA und Kanada: Die Flugzeiten sind relativ kurz und Mexiko besitzt über 10 000 km Küste und sehr viel gutes Wetter. Aber auch die Europäer finden immer mehr Gefallen an diesem Land und sind schon heute auf Platz 3 der Besucher, wobei alleine 27% aus dem deutschsprachigen Raum kommen. Die wichtigsten touristischen Ziele sind Cancun mit Umgebung, Mexico City, Acapulco, Merida, Guadalajara, Puerto Vallarta, Manzanillo, Mazatlán und Baja California. Neben den wichtigen Devisen bringt der Tourismus für Mexiko auch viele Arbeitsplätze und eine Verbesserung der Infrastruktur durch den Ausbau von Strassen und Flughäfen. In einigen Gegenden wie Acapulco geht die Kluft zwischen arm und reich allerdings schon sehr weit auseinander: Während für die vor allem US-amerikanischen Gäste fast alles getan wird hausiert einige Strassenblöcke weiter die einheimische Bevölkerung in Blechhütten und fühlt sich zu Recht oft als Menschen dritter Klasse.

Die Wirtschaftskrise:

Seit 1940 verfolgte man in Mexiko das Konzept, eine Wirtschaft aufzubauen, die den erhofften Aufschwung durch Import von Produktionsgütern wie Maschinen und Produktionsanlagen bringen sollte. Diese unter den Präsidenten Cárdenas und Camacho gestartete Initiative unterstützte die von privaten Investoren betriebenen Firmen dadurch, dass staatliche Zulieferer extrem subventionierte Vorprodukte an die Privatwirtschaft verkauften, die darüber hinaus noch Energie zu günstigen Konditionen bekam. Der Staat kümmerte sich auf diese Weise um die Infrastruktur für die privaten Betriebe und baute langsam einen immer höheren Schuldenberg auf. Da selbst 20 Jahre später die Industrie immer noch sämtliche Maschinen aus dem Ausland importieren musste und das Haushaltsdefizit einfach durch neue Geldscheine ausgeglichen wurde, stieg neben der Inflation auch die Auslandsverschuldung immer weiter an, von 650 Mio. US$ im Jahr 1959 auf über 20 Millarden US$ 1975. Heute sind es etwa 162 Millarden UD$.
In den 70er Jahren gab der einsetzende Ölboom der Wirtschaft einen neuen Impuls. Die im Golf von Mexiko entdeckten Vorkommen sind die fünftgrössten der Welt und liegen in geringen Meerestiefen, was die Förderung erleichtert. Eine neue Wachstumsprognose orientierte sich am aktuellen Ölpreis, der bei etwa 30UD$/Barrel lag. Bis Anfang der 80er Jahre stieg der Anteil des Öls an den Exporterlösen auf 70% an (5% 1976). Mexiko war plötzlich das Wunderland Lateinamerikas. Der Staat engagierte sich grosszügig in Sozialprojekte, für die neue Kredite aufgenommen werden mußten, die von den ausländischen Investoren aber ohne Bedenken vergeben wurden. Die unrentablen Staatsbetriebe konzentrierten sich auf die Produktion von Export- und Konsumgütern. Heimische Versorgungsengpässe wurden durch Importe gedeckt.
Der wirtschaftliche Zusammenbruch begann mit dem Verfall des Rohölpreis, der Mitte der 80er unter 10US$/Barrel lag. Es entstanden riesige Devisenausfälle, da das Öl zum größten Exportgut geworden war. Weiterhin hatte die Inflationsrate fast 100% erreicht. Mexiko konnte die Zinsen der Kredite nicht mehr zurückzahlen. Durch die abflachende Konjunktur und die Hochzinspolitik in den USA wurde dieses Problem noch verschärft. Es begann die große Flucht in den harten US-Dollar. In kurzer Zeit sollen über 22 Milliarden US$ das Land verlassen haben. 1982 wurde der Peso zum ersten Mal offiziell abgewertet. Die Misere ging aber weiter durch den Preisverfall des Rohöl und die starke Abhängigkeit der mexikanischen Wirtschaft von dieser Devisenquelle. 1994 wurde der Peso erneut um 15% abgewertet und sein Kurs 2 Tage später schließlich ganz freigegeben, was zu einem Einbruch von über 40% führte. 1995 wurde ein internationales Hilfspaket über 48 Milliarden US$ zusammengestellt. Trotzgesunkener Inflationsrate (2,5%) verteuerten sich Gas und Strom um etwa 30% und die Zahl der Arbeitslosen stieg um 250 000.